Wenn Du Dich für den Führerschein anmeldest oder Dich gerade in unserer Fahrschule über den Ablauf informierst, stehst Du auch vor der Frage, ob ein Automatik- oder Schaltgetriebe besser zu Dir passt. Tatsächlich scheiden sich bei der Antwort die Geister, denn während die einen konsequent auf die Schaltung setzen, weil sie das Gefühl von Selbstbestimmtheit und Fahrspaß lieben, bevorzugen die anderen den besonderen Komfort von Automatikgetrieben. Wir zeigen Dir die Unterschiede, Vorteile, aber auch die möglichen Nachteile beider Varianten.
Der Hauptunterschied liegt darin, wie die Kraft des Motors auf die Räder übertragen wird. Bei einem Schaltwagen betätigst Du das Kupplungspedal und wählst die Gänge selbst. Das funktioniert, indem sich Zahnräder paarweise an zwei Wellen bewegen. Für jeden Gang ist ein Paar dieser Zahnräder vorgesehen. Ob beim klassischen Kuppeln und Wechseln des Ganges im Straßenverkehr, beim beherzten Herunterschalten an Steigungen oder bei der überlegten Wahl des Ganges zum Spritsparen, Du bist aktiv an allen Vorgängen beteiligt. Bei einem Automatikauto entfällt das Kuppeln und somit auch das Kupplungspedal komplett, und das Fahrzeug übernimmt die Gangwahl selbstständig. Wie das genau funktioniert, hängt vom jeweiligen Getriebetyp ab, denn die automatische Schaltung gibt es in verschiedenen Ausführungen:
Wusstest Du, dass es auch Unterschiede bei den Führerscheinarten gibt? Diese solltest Du kennen, wenn Du den Führerschein machen willst.
Die Führerscheinklasse B:
Hier haben wir es mit der klassischen Fahrerlaubnis zu tun, mit der Du sowohl Schaltfahrzeuge als auch Automatikautos bis 3,5 Tonnen fahren darfst. Du lernst mit einem Schaltwagen und legst auch die Prüfung mit einem solchen Fahrzeug ab.
Die Führerscheinklasse B78:
Dabei handelt es sich um die eingeschränkte Fahrerlaubnis der Klasse B. Du lernst ausschließlich auf Fahrzeugen mit Automatikgetriebe und wirst auch darauf geprüft. Nach bestandener Prüfung darfst Du jedoch kein Auto mit manuellem Schaltgetriebe fahren.
Die Führerscheinklasse B197:
Diese Führerscheinklasse beinhaltet eine kombinierte Automatik- und Schaltausbildung. Einen großen Teil Deiner Ausbildung kannst Du auf einem Automatikauto absolvieren, allerdings brauchst Du auch mindestens zehn Fahrstunden auf einem Schaltwagen. Außerdem ist eine kurze Testfahrt von 15 Minuten in einem Fahrzeug mit Schaltgetriebe notwendig. Die Prüfung selbst findet dann auf einem Automatikfahrzeug statt. Nach Bestehen darfst Du ganz nach Belieben entweder ein Automatik- oder ein Schaltfahrzeug fahren.
Wenn Du Dir später ein eigenes Auto zulegst, profitierst Du bei einem Schaltwagen in vielen Fällen von niedrigeren Anschaffungskosten. Auch eine eventuelle Reparatur kommt Dich oft günstiger. Da Du die Gänge per Hand einlegst, genießt Du ein pures und individuelles Fahrerlebnis: Darauf wollen viele nicht verzichten. Vor allem bei winterlichen Straßenverhältnissen, beim sportlichen Fahren und in Kurven hast Du häufig eine bessere Kontrolle über Dein Fahrzeug, aber dadurch auch mehr Verantwortung für Deinen Fahrstil. Die Schaltung erlaubt Dir zum Beispiel durch die Motorbremse mehr direkte Eingriffsmöglichkeiten.
Fahrschüler:innen wissen: Der Lernaufwand ist auf einem Schaltwagen höher. Hier ist auch ein gewisses Multitasking gefragt, denn Du musst den Kupplungspunkt exakt fühlen, das Gas dosieren, den Gang wählen und gleichzeitig auch noch den Straßenverkehr im Blick haben. Das ist gerade für Anfänger und in der Prüfung manchmal etwas stressig. Du musst in jeder Sekunde voll konzentriert und fokussiert sein. Auch beim Stop‑and‑Go zum Beispiel im Berufsverkehr oder in der City verlangt Dir ein Schaltgetriebe einiges ab.
Größter Pluspunkt ist der hohe Komfort. Mit einem Automatikgetriebe fährst Du jederzeit angenehm stressfrei und entspannt. Das Fahren ist auch insgesamt einfacher: gerade für Anfänger. Das Abwürgen des Motors ist so gut wie unmöglich und nimmt Fahrschüler:innen eine große Last von den Schultern, und das Anfahren funktioniert oft auf Anhieb. Und während das Fahrzeug unterwegs das Schalten für Dich übernimmt, kannst Du Dich in aller Ruhe auf die Verkehrsbeobachtung und die Sicherheit konzentrieren. Was die Verfügbarkeit betrifft: In der Kompakt- und Mittelklasse geht der Trend bei Neuwagen aktuell klar zur Automatik, was Dir vor allem im urbanen Umfeld eine gute Verfügbarkeit sichert. Unter den Gebrauchten sind noch viele Schaltwagen vorhanden, doch auch hier wird das Automatikgetriebe aufholen.
Automatikfahrzeuge sind oft teurer als Autos mit Schaltgetriebe. Das gilt sowohl für die Anschaffung als auch für spätere Reparaturen. Verantwortlich dafür ist die Technik, die bei einem Automatikwagen viel komplexer ist. Deine Verbindung zum Fahrzeug ist während der Fahrt auch nicht ganz so direkt, was aber letztendlich Geschmackssache ist. Ältere Automatikmodelle haben teilweise einen höheren Spritverbrauch, bei neuen Modellen ist das jedoch meist kein Thema mehr.
Wenn Du Wert auf ein authentisches und natürliches Fahrgefühl legst, später einmal vielleicht einen günstigen Gebrauchten fahren willst und in jeder Situation die volle Kontrolle über Dein Auto haben möchtest, könnte ein Schaltwagen für Dich die richtige Wahl sein. Auch Menschen mit einer Vorliebe für das Mechanische bevorzugen meist das Schaltgetriebe. Der Stressfaktor beim Lernen und in der Prüfung ist jedoch höher: Das musst Du aushalten können. Vor allem bei starker Prüfungsangst und ausgeprägter Nervosität könnte ein Automatikgetriebe vielleicht angenehmer sein. Das ist nämlich für all jene besonders sinnvoll, die ohne große Anspannung durch die Prüfung kommen wollen und/oder sich beim Schalten ohnehin schwertun. Möchtest Du später E-Autos fahren, liegst Du mit Automatik ebenfalls richtig. Das Gleiche gilt für Berufspendler, die jetzt schon wissen, dass sie es einmal mit viel Stop‑and‑Go zu tun haben werden, denn Automatik reduziert die Ermüdung am Steuer und ist weniger anstrengend.
Das Zeitalter des Schaltgetriebes neigt sich langsam dem Ende zu: Das wird vor allem dann klar, wenn man die wachsende Zahl an Hybrid- und Elektrofahrzeugen betrachtet. Mit dem Vormarsch von E‑Autos, die fast immer über automatische Antriebe verfügen, wird die Automatikschaltung zunehmend Standard. Das macht auch Automatikführerscheine langfristig attraktiver. Dennoch ist das natürlich eine sehr persönliche und individuelle Entscheidung, die Du selbst treffen musst.
Die Fahrstunden für Schaltung und Automatik kosten bei uns gleich viel.